Donnerstags

• 19.00 bis 20.00 Uhr
Sprechchor

             

Künstlerisches Sprechen und Üben zur Erweiterung und Kräftigung der Stimme und zum Ausgleich bei Beanspruchung.

Wir üben gemeinsam und spielerisch an den Übungen der Sprachgestaltung, wie sie Rudolf Steiner oft mit wenigen Erläuterungen gegeben hat. An uns Übenden, verschiedene, immer neue Übungsfelder bei den angegebenen Sätzen oder Lautkombinationen zu erlauschen und erfahren. Zum Üben der Deklamation – d.h. des Hinwerfens der Stimme in den Raum nach der Art des altgriechischen Speerwurfes – eignen sich die berühmten Worte:

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Bild: Angelika Kadke

              

„Erfüllung geht
durch Hoffnung
geht durch Sehnen
durch Wollen
Wollen weht
im Webenden
weht im Bebenden
weht bebend
webend bindend
im Finden
finden windend
kündend“                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       

Wie ist es nun, wenn man versucht, diese Sätze aus einer blauen Stimmungsempfindung zu sprechen, dann aus einer gelben oder roten? Eine andere Übung bereitet auf das Rezitative Sprechen vor. Dabeikommen alle Ebenen des Weltendaseins vor, die beschrieben, d.h. „wieder-gegeben“ (re-citare) werden können:

„In den unermesslich weiten Räumen
in den endenlosen Zeiten
in der Menschenseele Tiefen
in der Weltenoffenbarung
suche des großen Rätsels Lösung“
.
Wie üblich in epischen Zusammenhängen wie z.B. beim Märchen wird auch die – wiederum deklamatorische – direkte Rede am Schluss der Übung geübt. Eine andere Übung geht den selben inneren Weg, und zwar durch einzelstehende Laute, die vom Gaumen her bis zu den Lippen artikuliert werden: K L S F M. So steigen wir vom Physischen (mit dem irdisch-betonten Stoßlaut K), über das Zeitlich-Ätherische (Wasserlaut L), das Bewußt-Astralische (scharfes, wachmachendes S), das aus der Umgebung strahlende Ich (in die Weiten sich verströmendes F) bis hin zum Geistig-Offenen in der vollkommenen Hingabe an das Du. In dieser Art lassen sich beide Übungen spielerisch und gegenseitig sich befruchtend kombinieren.

Für den Aufbau des künstlerischen Sprechens verweilen wir epochenweise bei verschiedenen Autoren. Zum Schluss dieser kurzen Präsentation sei noch eine kleine Kostprobe aus dem dichterischen Schatz des Eduard Mörike (1804-1875) wiedergegeben. In adventlicher oder heilig-nächtlicher Stille entfaltet sich sein aus dem Nachlaß stammende Gedicht:

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Camille Corot: Der See – Nachstimmung

                                       Nachts

Im Erdenschoss, im Hain und auf der Flur,
Wie wuehlt es jetzo rings in der Natur
Von nimmersatter Kraefte Gaerung!
Und welche Ruhe doch und welch ein Wohlbedacht!
Mir aber in geheimer Brust erwacht
Ein peinlich Widerspiel von Fuelle und Entbehrung
Vor diesem Bild, so schweigend und so gross.
Mein Herz, wie gerne machtest du dich los!
Du schwankendes, dem jeder Halt gebricht,
Willst, kaum entflohn, zurueck zu deinesgleichen.
Traegst du der Schoenheit Goetterstille nicht,
So beuge dich! denn hier ist kein Entweichen..

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Kursleiter: Alain Brun-Cosme

Anmeldung: Tel. 822 73 06, Handy: 0176/96 78 01 19,
Kosten: € 5,- oder nach eigenem Ermessen
Ort: Rudolf Steiner Haus,
Bernadottestraße 90/92, 14195 Berlin-Dahlem