Jeweils Freitags

im Rudolf Steiner Haus, Seminarraum
Bernadottestraße 90/92, 14195 Berlin-Dahlem

• 17.00 bis 18.00 Uhr
Französische Eurythmie

Jean-Antoine_Watteau_-_L'indifférent

Das berühmte Bild von Antoine Watteau (1684-1721) mit dem rätselhaften Titel „L´indifferent“ (der Gleichgültige) zeigt uns die typisch französische Haltung gegenüber sich und der Welt: In einer durchgeformten, von Selbstbewusstsein erfüllten Pose stellt sich der Mensch elegant in seine Umgebung hin. Der Tanz, vielleicht ein Menuett, ist in einem Zwischenmoment erstarrt, in dem der Körper sich in einem komplizierten Gleichgewichtsverhältnis, wie schwebend zwischen den Raumrichtungen befindet. Die Diagonalität der Gestalt ergreift geschickt den dreidimensionalen Tanzraum, doch ohne Wärme, denn der Kopf neigt sich in einer Art eurythmischer N-Gebärde wie zur besseren Beobachtung zurück.

Die Kopfkräfte nämlich, der klare Verstand, verhindern eine allzu große Hingabe an das Erlebnis mit der Welt: Der Franzose seit Descartes zweifelt an der Welt und sucht mit klaren, deutlichen Gedanken aus seinem Innern sie zumindest einzuordnen. So bleiben bekannterweise französische Romantiker trotz Gefühlsaufschwung sehr rational und formbewußt. Um den Kopf herum trägt der Franzose, wie Steiner betont, eine königlich-göttliche „Gloire“, d.h. das strahlende Bild von sich selbst in der Art des Louis XIV, das er der Welt gerne aufprägen möchte. So ist die französische Sprache vom Volksgeist geformt, daß so wenig Luft wie möglich in die Sprache hineinkommt und z.B. durch die Nasalen alle Kraft hin zum ständig zum Aufwachen aufgeforderten Gehirn konzentriert wird. Auch sorgt das kurze „ö“, der häufigste französische Vokal, für stetiges Aufmuntern und zugleich Abstand von der Welt.

Entsprechend diesen Charakteristiken führt die französische Eurythmie, für die viele Angaben Rudolf Steiner vorhanden sind, in die Sphäre der Leichte und Präzision: Das kleine „ö“ wird immer im Satzfluß gehüpft, die Nasalen werden durch eine besondere Bewegung im Schulterbereich ausgeführt. Die französische Eurythmie wirkt sich therapeutisch auf den wenig atmenden Franzosen durch eine ausgesprochene Belebung des Herz-Brust-Bereiches und ermöglicht auch, wie die englische Eurythmie, eine willkommene Lockerung beim deutschen Eurythmisten.

 

• 18.00 bis 19.00 Uhr
Hygienische Eurythmie

IF

Die Eurythmie als ganzheitliche Bewegungskunst bietet schon an sich Techniken an, die harmonisierend auf die Praktizierenden wirken: Der Atem vertieft sich, der Umkreis wird stärker wahrgenommen und eine gewisse Körpergeschicklichkeit mag mit der Zeit entwickelt werden. Insbesondere durch Gruppenarbeit können die eigenen Bewegungsimpulse wiederum stärker erlebt werden.

In der sogenannten „hygienischen Eurythmie“  wird weniger auf den Aufbau Woche für Woche eines Gedichts oder eines Tonstücks mit den zur Verfügung stehenden Mitteln der Eurythmie geachtet, als vielmehr eine Art „Sofort-Hilfe“ für die in der Regel direkt von der Arbeit oder dem mehr oder weniger stressigen Alltag kommenden KursteilnehmerInnen angeboten: Die dort entstandenen körperlich-seelischen Einseitigkeiten werden spielerisch und abwechslungsreich durch geometrische Raumformen oder Kugel- und Stabübungen behoben. Besonders Übungen mit den Kupferstäben stellen eine ausgesprochen effiziente Rückenschule dar. Auch falsche Körperhaltungen werden angegangen.

Durch die Freude an der Bewegung beim Hören eines Gedichts oder einer schönen, fließenden Musik können die TeilnehmerInnen einerseits loslassen, andererseits auf eine neue, zwischenmenschliche Wahrnehmungsebene einsteigen, die man die ätherische nennt und sich gesundend auswirkt.

Auch für Senioren geeignet.

Kursleiter: Alain Brun-Cosme
Anmeldung: Tel. 822 73 06, Handy: 0176/96 78 01 19,
brun-cosme@web.de
Kosten: € 10,- oder nach eigenem Ermessen