ichbin

Als einziger Evangelist lässt Johannes in den Abschiedsreden Jesu die
mächtig-erhabenen Worte des Christus erklingen, die in ihrer Siebenheit
das Logos-Wesen umschreiben: „Ich bin das Licht der Welt“, „Ich bin das
Brot des Lebens“ … Die leuchtende Sprachkraft findet in eurythmischen
Choreografien ein geeignetes Ausdrucksmittel und wird begleitet von der
Musik J.S. Bachs.

Die im Garten Gethsemane nach Jesus dem Nazoräer fragenden Schergen der
Hohenpriester stürzen zu Boden, als Er sich ihnen offenbart als der „Ich
Bin“: Die leuchtende Kraft des inkarnierten Gottes, des Logos, lässt
sich mit Menschensinnen nicht erfassen und ertragen. Nur Johannes, der
„Jünger, den der Herr liebte“, findet die Worte, die das Logos-Wesen
intim charakterisieren: „Am Anfang war das Wort…“. In den umfangreichen
Abschiedsreden, die im Johannes-Evangelium zwischen Abendmahl und
Gefangennahme eingeschoben sind, offenbart sich das Gotteswesen in der
siebenfachen Gestalt der Ich-Bin-Worte. Ihre Vielfalt und
Eindringlichkeit, der meditative Weg, den sie als Teile eines Organismus
bilden, wurde vielfach beschrieben. Rudolf Steiner charakterisierte die
eurythmische Lautreihe IAO einmal als den „Leib Christi“: Die aufrechte
Menschengestalt, das Instrument der Eurythmie, kann das paulinische
„Nicht ich, sondern Christus in mir“ in die Sichtbarkeit bringen.
Insofern darf die Eurythmie als eine „Ich-Bin-Kunst“ empfunden werden.
Die fortgeschrittenen Laien der VOX-Bühne, die das LUX-Ensemble seit 4
Jahren fördert, zeigen am Samstag, den 18. November um 19.30 Uhr im
Rudolf Steiner Haus eine künstlerische Umsetzung des
Ich-Bin-Worte-Komplexes, eingebettet in Bachsche Musik, die durch sich
selbst Erfahrung werden lässt, dass der Komponist jenseits von
Zeitgeschmack und Konfession das Christus-Wesen erfuhr.